Der uns vertraute, dem griechischen Denken entstammende Begriff der Ethik kann auf das Neue Testament nur unter bestimmten Bedingungen angewendet werden. Wir finden im Neuen Testament nirgends eine philosophische Ethik, die sich als Normen- oder Tugendlehre begreift und von einem Begriff der moralischen Vernunft, des sittlichen Geistes, des kategorischen Imperativs oder dergleichen leiten ließe. Wir finden im Neuen Testament ferner keine ethische Analyse und Legitimierung der Sozialordnungen, etwa der Ehe oder des Staates in systematischem Zusammenhang, obwohl sie gelegentlich innerhalb von Mahnungen (Paränesen) vorkommen (wie ζ. B. in Rom. 13 und l.Kor. 7). Es gibt keine christliche Staats- und Sozialphilosophie im Neuen Testament. Erst als später, auf dem Boden der alten Kirche philosophische Begriffe in die Theologie aufgenommen wurden, waren systematisch- ethische Gedankenbildungen möglich. Das Neue Testament redet von den Gütern dieser Erde und von den weltlichen Sozialgefügen nur im Zusammenhang von Paränesen, d. h. von konkreten Mahnreden an bestimmte Gemeinden. In diesem Sinne trägt die ganze neutestamentliche Ethik paränetischen Charakter. Ihre Normen werden nicht aus der Vernunft entnommen, auch nicht aus dem die Welt durchwaltenden Logos oder dem Reiche transzendenter Ideen wie in der stoischen oder der platonischen Philosophie. Vorwort 2 Einleitung. Zum Begriff der Ethik 3 I. Kapitel: Jesus. Die Verkündigung der anbrechenden Gottesherrschaft als eschatologische Ethik. Methodische Vorbemerkung 4 1. Reich Gottes und Umkehr 6 2. Das Gesetz Gottes 8 3. Das Liebesgebot 13 4. Der Sinn der Bergpredigt 16 5. Reich Gottes und Welt 22 6. Die Erfüllbarkeit des Gebotes 27 7. Die Nachfolge 29 8. Zusammenfassung. Eschatologische Ethik 31 II. Kapitel. Die Urgemeinde. Neue Formen und Formeln der Ethik. Methodische Vorbemerkung 33 1. Vor- und nachösterliche Situation 34 2. Die judenchristliche Urgemeinde und das Gesetz . . . . 38 3. Die ersten hellenistischen Gemeinden 45 III. Kapitel: Paulus. Das Christus-Heilsgeschehen als Grund und Ziel der Ethik. 1. Die Grundstruktur: Heilsgeschehen und Ethik . . . . 49 2. Gesetz und Freiheit 55 3. Die Liebe als höchste Norm der Ethik 59 4. Die Ethik des Paulus als Gemeinde-Ethik 64 5. Die weltlichen Sozialordnungen 69 a) Gemeinde und Welt 69 b) Die politische Gewalt 72 c) Die Ehe 67 d) Die Stellung der Frau 80 e) Die Sklaven 83 6. Die Allgemeingültigkeit der Gebote und ihr Verhältnis zum Geist 84 IV. Kapitel: Die deuteropaulinischen Schriften 89 1. Der Epheserbrief. Das Ethos in der Einheit des Leibes Christi 90 2. Die Pastoralbriefe. Die Ethik des bürgerlichen Christentums 95 3. Der 1. Petrus-Brief. Christus, das Urbild des Liebens und Leidens 101 V. Kapitel: Der Jakobusbrief. Die Tat-Gerechtigkeit der guten Werke . . 104 VI. Kapitel: Die johanneischen Schriften. Die Bruderliebe als der Schritt vom Tode zum Leben 109 VII. Kapitel: Die Sendschreiben der Offenbarung des Johannes. Der Ruf zur zweiten Umkehr 116 Schluß. Die Einheit der neutestamentlichen Ethik 122 Literaturverzeichnis 125 Sachregister 127 Bibelstellen-Register 128